AfD-Schauprozess im Thalia-Theater

Dystopische Verhandlung in Hamburg: Keine Sternstunde der Kultur.
Dystopische Verhandlung in Hamburg: Keine Sternstunde der Kultur.
Im Thalia-Theater in Hamburg hat sich gerade eine außergewöhnliche „Gerichtsverhandlung“ abgespielt. Juristen, Journalisten und Künstler verhandelten über ein mögliches Verbot der AfD.

Schon der Titel des Ganzen befremdet: „Prozess gegen Deutschland“ nannte sich dieses Schauspiel – so, als sei die AfD bereits mit dem Staat identisch. Eine Vorstellung, die ihr sicher ganz gelegen kommt.

Grundsätzlich kann man das ganze Spektakel nur als bemerkenswert geschichtsvergessen einordnen. Einen Prozess als Theaterstück zu inszenieren, ist nichts Neues. Dafür gibt es viele Beispiele aus der dunklen deutschen Vergangenheit, aber auch aus der gesamten Weltgeschichte. Wem ein solcher (im wahrsten Sinne des Wortes) Schauprozess helfen soll, bleibt unklar.

Auch die „Vorsitzende Richterin“, die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin, bemühte sich nicht einmal um einen Anschein von Neutralität.

Bezeichnend ist daher, dass der mit Abstand aufsehenerregendste Beitrag die Verteidigungsrede von Harald Martenstein war, der den Anwesenden und ihrer Selbstgerechtigkeit einen treffenden Spiegel vorhielt.

Die Veranstalter entblödeten sich nicht einmal, das „Urteil“ von Geschworenen fällen zu lassen. Zu welcher Entscheidung diese kamen, interessiert freilich kaum jemanden. Erwähnenswert ist es trotzdem: Es wurde geurteilt, der AfD die öffentlichen Zuschüsse zu streichen. Eine bemerkenswerte Entscheidung von einem Theater, das selber angeblich jedes Jahr circa 40 Millionen Euro aus den öffentlichen Haushalten bekommt.

Das Ergebnis, also nicht der kindische Richterspruch von ein paar Jury-Darstellern, sondern das, was die Öffentlichkeit aus dieser Inszenierung mitnimmt, stand offenkundig bereits im Vorfeld fest und hat sich durch den Ablauf der Veranstaltung allenfalls weiter verfestigt.

Die AfD kann nun sagen: „Schaut euch diesen Zirkus an, den sie nur wegen uns veranstalten – alle gegen uns, wir gegen alle. Wer so etwas nicht mitträgt, wer sich gegen den Mainstream in Politik, Kultur und Medien stellen will, der muss uns zumindest aus Protest wählen.“

Nur werden die Verantwortlichen das nicht merken. Sie werden sich in ihrer Blase gegenseitig auf die Schulter klopfen. Sie werden sich für Demokraten, vielleicht sogar für demokratische Vorkämpfer halten.

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