Der online informierte Mandant

Durch das Internet sind Informationen jederzeit und für jeden verfügbar. Das gilt natürlich auch für juristische Informationen und darum sieht sich ein Anwalt heute häufig schon beim ersten Beratungsgespräch einem bereits eingehend online informierten Mandanten gegenüber. Welche Auswirkungen das hat, wollen wir heute zumindest kurz andiskutieren.

Positiv ist es sicher, wenn der Mandant dadurch bereits selbst weiß, auf welche Tatsachen es ankommt. Ein erstes Sondierungsgespräch ist ungleich produktiver, wenn der Kunde von vornherein all die Dinge erzählt, die für das weitere Vorgehen von Bedeutung sind. Weiß er, dass es wichtig ist, dass er einen Schaden am neuen Auto unverzüglich dem Verkäufer mitgeteilt hat, ist die Sachlage vielleicht eine andere. Weiß er zudem, dass es einen Unterschied macht, ob er das Auto für seine Firma oder für sich privat gekauft hat, ist schon einmal die Gefahr gebannt, dass er seinen Anwalt insoweit auf die falsche Fährte lockt.

Umgekehrt kann es freilich auch sein, dass der Mandant sich bereits im Klaren darüber ist, dass er Recht bekäme, wenn ein bestimmter Sachverhalt vorläge, und er diesen nun auf Biegen und Brechen herstellen will. Wenn er aber tatsächlich nicht rechtzeitig angefochten hat, dann wird es ihm auch nicht weiterhelfen, wenn er dies nun behauptet und sich gerade auf diese Version versteift. Möglicherweise wäre es dann sinnvoller, die Nicht-Anfechtung zuzugestehen, aber sich bspw. auf arglistige Täuschung zu berufen.

Ganz allgemein ist es von Vorteil, wenn sich der Rechtssuchende im Klaren darüber ist, dass er seinen Prozess auch verlieren kann. Wer im Brustton der Überzeugung kommt, dass er vor jedem Gericht dieser Welt gewinnen wird, ist oftmals enttäuscht, wenn ihn der Anwalt dann mit der Realität, sei es nun die Rechtslage oder seien es Beweisschwierigkeiten, konfrontiert.

Wiederum andererseits können einen Informationen im Internet auch darin bestärken, auf der sicheren Seite zu sein, obwohl es nicht stimmt. Das kann damit anfangen, dass man ein Urteil findet, dass zwar durchaus auf den eigenen Fall passt, das aber eben doch nicht hundertprozentig den gleichen Sachverhalt betrifft; und ein „so ähnlicher“ Sachverhalt kann juristisch unter Umständen das genaue Gegenteil bedeuten. Aber auch zutreffende Urteile können von Laien oft falsch interpretiert werden, sodass teilweise eine völlig andere Aussage herausgelesen wird oder aus dem Urteil einfach ganz andere Schlüsse gezogen werden, die vom Richterspruch nicht mehr getragen werden.

Und dann gibt es noch eine Tatsache, die eigentlich auf der Hand liegt, die man aber trotzdem erwähnen muss: Informationen können, gerade im Internet, auch falsch sein. Auf den neuerdings recht beliebten Frageportalen genauso wie in Foren und Blogs und auf Wikipedia. Das Online-Lexikon ist insgesamt in rechtlichen Dingen absolut brauchbar und kann sogar Juristen den schnellen Einstieg in eine spezielle Materie erleichtern. Aber auch dort kommen Fehler vor, seien es nun absichtlich oder versehentlich eingebaute Falschinformationen oder einfach nur Artikel, die nicht mehr auf dem neuesten Stand der Rechtsprechung oder Gesetzgebung sind.

Schließlich gibt es leider noch eine erhebliche Zahl an Seiten, die die persönlichen Wunschvorstellungen ihrer Ersteller zur juristischen Wahrheit erheben. Und leider ist es für den Laien nicht immer einfach, gute und schlechte juristische Argumentation unterscheiden zu können.

Vielleicht kann man, sowohl aus Sicht des Anwalts wie des Mandaten eines festhalten: Es ist immer gut, wenn sich der Mandant bereits vorher informiert hat, damit ein gewisses Fundament für das Beratungsgespräch vorhanden ist. Aber ihm muss klar sein, dass er im Internet (und auch in echter Literatur, wobei aber wohl die wenigsten als erstes die örtliche Uni-Bibliothek ansteuern) nur allgemeine Informationen findet und eine Evaluierung seines konkreten Falls nicht stattfindet. Das Gespräch mit dem Anwalt, das durch gezielte Rückfragen, durch genaue Begutachtung von Dokumenten und auch durch das Nachschlagen in Kommentaren und Urteilssammlungen die Erfolgsaussichten und das weitere Vorgehen minutiös abklärt, kann durch nichts ersetzt werden.

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